28.01.2025: Vortrag
Vortrag von Prof. Dr. Corine Pelluchon am 28.01. zum Thema „DAS DASEIN UND DAS MEER. Ontologie des Meers und ökologischer Existentialismus“
Im Rahmen des Forum Nachhaltigkeit und in Kooperation mit dem Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik und dem Institut für Politikwissenschaft und Soziologie fand am 28. Januar 2025 die letzte Veranstaltung für das Wintersemester 2024/25 zum Thema „Nachhaltigkeit und Ethik“ statt. Es schließt an das interdisziplinäre Seminar „Corine Pelluchon als Denkerin von Nachhaltigkeit, Ethik und Demokratie“ an.
Nach einer kurzen Begrüßung durch Jun-Prof. Dr. Ulrike Zeigermann und Jun.-Prof. Dr. Katharina Wörn startete der Vortrag mit einer thematischen Einführung durch Dr. Matthias Gsänger und Marie-Elisabeth Perschthaler. Anschließend referierte Prof. Dr. Corine Pelluchon der Université Gustave Eiffel zum Thema „Das Dasein und das Meer: Ontologie des Meers und ökologischer Existentialismus“:
In ihrem Vortrag stellte Prof. Dr. Corine Pelluchon ihr neustes Werk „L’être et la mer. Pour un existentialisme écologique“ (puf, 2024) und ihre Hauptideen erstmals in Deutschland vor. Die deutsche Übersetzung ihres Buches soll voraussichtlich Ende 2025 bei Beck erscheinen.
Der ökologische Existenzialismus sollte in den gegenwärtigen ökologischen, technologischen und politischen Kontexten nicht nur als eine Aktualisierung des vergangenen Existenzialismus, sondern insbesondere als eine Ontologie des Meeres verstanden werden. Dabei wird die Erde aus der Perspektive des Meers gesehen, wodurch der Ozean in den Mittelpunkt gerückt werden soll. Gleichzeitig werden die irdischen Vorstellungen in Frage gestellt, die Selbstwahrnehmung reflektiert, sowie die eigene Verantwortung bewusster gemacht. Ein weiteres zentrales Prinzip ist das Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit. Menschen haben oft ein ambivalentes Verhältnis zum Tod und neigen dazu, diesen zu verdrängen. Sie verbinden mit ihm eine radikale Ohnmacht, Hilfslosigkeit und Bedeutungslosigkeit – Gefühle, die wiederum zu Konsumsucht, Machtstreben oder Gewalt führen können. Corine Pelluchon plädiert deshalb dafür, sich dem unausweichlichen Zusammenbruch zu stellen, die damit verbundenen Emotionen zu durchleben, um so davon zu lernen. In ihrem Vortrag thematisiert Corine Pelluchon zudem die Weisheit des Verzichts - eine Politik der Genügsamkeit - sowie die Widersprüche, etwa im internationalen Seerecht, die sich ohne eine Ontologie des Meeres nicht auflösen lassen. So sollte das Leben an Land und im Wasser nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Ziel dieser Ontologie ist es also, die Ambivalenz der Menschen zu erfassen und neue Perspektiven zu eröffnen.
Im Anschluss an die Veranstaltung gab es die Möglichkeit, sich bei einem kleinen Empfang weiter auszutauschen.